LEGAL TECH

Legal Tech – die Zukunft der Rechtsberatung

Die Maschine ist erwachsen geworden

Von der Ausführung bloßer mechanischer Hilfstätigkeiten zur Überwindung körperlicher Schwächen des Menschen über das weite Feld der elektronischen Datenverarbeitung mit dem Ziel der Vereinheitlichung und Standardisierung bis hin zur teilautomatischen Übernahme einzelner, streng überwachter Prozesse hat sie in den letzten 30 Jahren vornehmlich den Bereich der sog. „Arbeits- oder Fachkräfte“ ersetzt und wird für viele Arbeitskräfte in diesen Bereichen auch weiterhin eine kontinuierliche Konkurrenz darstellen.

Die neueste Generation von Maschinen ist anders. Sie haben die Fähigkeiten erlangt zu lernen und selbstständige Entscheidungen zu treffen. Die permanente Prozessüberwachung wird zurückgehen und stattdessen wird der Teil der Programmierung einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Diese neuen (vollautomatischen) Maschinen werden jedoch in erster Linie eine (effizientere) Alternative für klassische Freiberufler und Beratungsberufe darstellen: Steuerberater, Finanzverwalter, Immobilienmakler, Banker und – Rechtsanwälte.

Die unbequeme Wahrheit, derer sich viele Rechtsanwälte verschließen, lautet: Ein Großteil der anwaltlichen Beratungspraxis ist trivial. Er besteht aus dem Sammeln von Informationen, dem Unterscheiden von wesentlichen und unwesentlichen Informationen und dem Subsumieren von Gesetzesnormen unter die so gewonnene Datenbasis. Das können Maschinen im Grunde wesentlich besser – es muss ihnen nur noch einer richtig beibringen.

Anders als viele Kollegen sehen wir diese disuptiven Veränderungen jedoch nicht als Bedrohung – im Gegenteil! Die Zukunft verheißt eine qualitativ hochwertigerere und auch spannenderere Tätigkeit. Wenn „Datenauswertung“ nicht länger zu den Pflichttätigkeiten eines Anwalts gehören, bedeutet das für den Mandanten und den Anwalt einen enormen Zeitvorteil – und Zeit ist Geld. Darüber hinaus werden wichtige Ressourcen frei für einen Teil der Arbeit, der in der Praxis oft viel zu kurz kommt, den Mandanten aber bereits heute wie selbstverständlich wünschen: Kreative Rechtsfindung und Rechtsschöpfung. Fälle müssen „gemacht“ werden, Beweise müssen „geriert“ werden, innovative und auch „trickreiche“ Prozesse müssen „angestoßen“ werden. Diese Kreativität ist im Recht durchaus möglich, da das Recht dynamisch ist und erst im Laufe von gesellschaftlichen Veränderungen oder angestoßenen Verfahren und Prozessen fortgebildet wird. Die einfache „Rechtsanalyse“ mit einer Handlungsempfehlung, die bloß unterscheidet zwischen „Machen“ oder „Besser nicht machen“ verdient einerseits nicht die teilweise horrenden Stundensätze in der Praxis, andererseits wird sie auch dem nicht gerecht, was ein Rechtsanwalt theoretisch im Stande ist zu leisten für seinen Mandanten.

Legal Tech ist der Startschuss für eine erweiterte Rechtsanwaltspraxis.

Wir verstehen es als ersten Schritt in die Zukunft, diejenigen Prozesse an Maschinen auszulagern, die dafür geeignet sind – und davon gibt es eine Menge! Rechtsanwalt David Sanker hat die Sanker Legal Tech GmbH gegründet und betreibt über die Plattform „selbstjustiz.eu“ eine Anzahl von Legal Tech Produkten, die in den kommenden Monaten und Jahren zunehmend ausgebaut werden und als Ergänzung bzw. Support der Rechtsanwaltskanzlei Sanker dienen.

In der Umsetzung haben wir drei Gesetzmäßigkeiten ausgemacht, die kennzeichnend für Legal Tech sind:

Bedenkt man die folgende Prämisse, verwundert die Überlegung überhaupt nicht, dass ein Mandant auch im Sinne einer „do-it-yourself-Lösung“ selbstständig in die Lage versetzt werden sollte, „seinen Fall“ – jedenfalls im gewissen Umfang – zu führen: Die Gesetze stehen im Dienste der Bürger. Sie sind sogar größtenteils so konzipiert, dass ein Bürger, wenn er denn die notwendigen Kenntnisse hätte, selber tätig werden könnte. Ein Rechtsanwalt „dient“ in der überwiegenden Anzahl von Rechtsstreitigkeiten eigentlich nur als Übersetzer und Filter. Das Problem ist weniger, dass „Recht“ so kompliziert wäre, sondern, dass es „so viel Recht“ gibt. Es gibt also ein klassisches Problem an Informationsumfang und Zeit. Rechtsanwälte haben – notdürftig – gelernt, die groben Muster zu unterscheiden und das Wesentliche vom Umwesentlichen zu unterscheiden. Hinzu kommt eine gewisser Erfahrung. Abgesehen von dem letzten Teil kann auch einem Mandanten das Werkzeug an die Hand gegeben werden, dass ihm einen Großteil des Jurastudiums erspart.Beispielhaft sei hier auf das Programm „Lex Talionis“ verwiesen, indem ein Bürger in die Lage versetzt wird, ohne Rechtsanwalt eine Schmerzensgeldklage vor dem zuständigen Amtsgericht zu führen – und das zu einem Bruchteil der Kosten, die ein Anwalt veranschlagen würde. Online.
Gerade Rechtsanwälte halten an der Vergütungsform des Stundensatzes fest. Sie können dies, weil (noch) die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nicht erkannt hat, dass sich ein Großteil der anwaltlichen Tätigkeiten auf Maschinen auslagern lässt. Viele Aufgaben sind „immer dasselbe“ und lassen sich hervorragend standardisieren. Es handelt sich oftmals nicht um eine „individuelle Leistung nach Maß“, sondern um Massenproduktion, die durch spezielle Anwaltssoftware hergestellt wird. Obwohl dies nicht alle klassischen Anwaltstätigkeiten betrifft – beispielsweise die forensische Tätigkeit – so besteht doch ein Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen und dem abgerechneten Aufwand. Legal-Tech reiht sich nun in den allgemeinen Trend zu einfachen Pauschalen ein. Festpreise und Transparenz sind logische Konsequenz von Vereinheitlichung und Automatisierung.Oft wollen Mandanten, die einen Anwalt noch nicht kennen, zunächst diesen Kennenlernen, erwarten jedoch vorab bereits eine gewisse „Leistung“, die weniger als „Kostprobe“, als vielmehr der Versuch verstanden wird, möglichst „viel für möglichst wenig Geld“ vorab zu erhalten. Legal-Tech verschafft hier Abhilfe, da sie den Mandanten in die Lage versetzt, sich einzig und allein aufgrund der Persönlichkeit des Rechtsanwaltes von dessen Fähigkeiten zu überzeugen – und dabei die freie Wahl zu haben, sich ggf. für einen anderen Anwalt entscheiden zu können.Beispielhaft sei dies am Fall der Akteneinsicht aufgezeigt. Viele Mandanten sind sich unsicher, ob sie überhaupt einen Verteidiger in Strafsachen benötigen. Sie wünschen zunächst einmal Aufklärung über die Ihnen vorgeworfenen Taten und wollen sehen, dass sich der Anwalt mit ihrem Fall auseinandersetzt, ehe sie einen Auftrag erteilen. Für viele Anwälte ist aber bereits diese Mandatsanbahnung mit Arbeit verbunden, die unter Umständen nicht vergütet wird.

Das Programm „EZDiscovery“ löst dieses Dilemma, indem die Mandanten alle Informationen vorab enthalten, die sie – und ihr späterer Verteidiger (!) – benötigen, um bereits im aller ersten Gespräch über konkrete Verteidigungsstrategien zu sprechen. Das gesamte Auftragsverhältnis erhält dadurch eine deutlich erhöhte Qualität – von Beginn an.

Was eine Maschine (vorerst…) nicht können wird, ist das Finden kreativer oder auch einfach nur „richtiger“ Lösungen, die außerhalb dessen liegen, was man berechnen könnte. Die Erfahrung eines Rechtsanwaltes z.B. mit einem bestimmten Richter, die Kunst, eine Verhandlung zu führen, die Auswirkungen von kleinsten psychologischen Nuancen und Stimmungen – all das wird eine Maschine (wahrscheinlich?) niemals begreifen können. Genau das ist es, was ein Rechtsanwalt kultivieren muss – und genau das sollte er auch weiterhin so in Rechnung stellen, dass es angemessen ist. Dieses Produkt ist in der Tat so hochwertig, dass auch in Zukunft Anwaltskosten in bestimmten Fällen gerechtfertigterweise hoch ausfallen können. In diesem Bereich hat die Technik lediglich weiterhin eine „dienende Funktion“, etwa in dem sie dem Kunden bzw. Mandanten einen unkomplizierten Zugang und eine sichere Datenaufbewahrung ermöglicht und dem Anwalt durch elektronische Datenverarbeitung und Archivierung unterstützt.Insofern können auch echte Innovationen entstehen, die tatsächlich Probleme lösen oder jedenfalls das Bedürfnis von Bürgern auffangen und somit einen Mehrwert für die Gesellschaft darstellen.

Hinzuweisen sei in diesem Zusammenhang auf die Produkte „Polizei.Watch“ und das zukünftige „MyGun“, indem Bürgern im speziellen Bereich der Justizgrundrechte und Freiheitsrechte einmalige Dienstleistungen angeboten werden.

Daneben macht die persönliche Betreuung mit all seinen psychologischen Aspekten einen nicht zu unterschätzenden (Mehr-)Wert anwaltlicher Tätigkeit aus, dem sich der Rechtsanwalt, wenn er zeitgemäß „Hilfstätigkeiten“ auslagert, auch wirtschaftlich sinnvoll widmen kann.

Begleiten Sie uns auf dieser „Reise“, die wir bereits angetreten haben und besuchen unsere Partner auf „Selbstjustiz.eu“. Deren Angebot und die Synergieeffekte für unsere Anwaltskanzlei werden in naher Zukunft stetig zunehmen.